10 Dinge, die fast jeder beim Zahnarzt macht, aber niemand zugibt
Kurz vor dem Termin plötzlich besonders gründlich putzen, mit vollem Mund antworten oder nach der Behandlung sofort alles mit der Zunge kontrollieren – beim Zahnarzt verhalten wir uns oft erstaunlich ähnlich. Diese 10 typischen Situationen kennt fast jeder, auch wenn kaum jemand darüber spricht.

Ein Zahnarztbesuch ist eine ziemlich besondere Situation. Man liegt halb zurückgelehnt in einem Stuhl, eine Lampe scheint direkt ins Gesicht und während mehrere Instrumente im Mund liegen, soll man möglichst entspannt bleiben. Das klappt bei den meisten Menschen ungefähr so gut, wie man erwarten würde. Denn selbst wer eigentlich gar keine Angst vor dem Zahnarzt hat, entwickelt im Behandlungszimmer plötzlich erstaunliche Verhaltensweisen.
Das Spannende daran: Viele davon sind völlig normal. Fast jeder versucht kurz vor dem Termin noch besonders gründlich zu putzen, jeder kennt das Problem mit der Zunge und nahezu jeder hat schon einmal versucht, auf eine Frage zu antworten, obwohl der Mund eigentlich gar keine Antwort zulässt. Zeit also für einen kleinen Blick auf die typischen Dinge, die beim Zahnarzt fast alle machen – aber selten jemand offen zugibt.
Kurz vor dem Termin beginnt die Zahnpflege-Olympiade
Was in drei Minuten plötzlich alles möglich ist
Der Termin ist um 15 Uhr und um 14:30 Uhr wird aus dem normalen Zähneputzen plötzlich ein Hochleistungsprogramm. Zahnbürste, Zahnseide, Interdentalbürsten und Mundspülung kommen gleichzeitig zum Einsatz. Man putzt konzentrierter als sonst und hofft insgeheim, dass sich die vergangenen Monate innerhalb weniger Minuten irgendwie ausgleichen lassen.
Natürlich ist es grundsätzlich gut, mit sauberen Zähnen zum Termin zu kommen. Ganz verstecken lassen sich langfristige Gewohnheiten allerdings nicht. Zahnfleisch, Zahnstein und Beläge erzählen ihre eigene Geschichte. Der Zahnarzt erkennt deshalb meist recht schnell, ob Zahnseide wirklich täglich benutzt wird oder ob sie hauptsächlich dekorativ im Badezimmerschrank liegt.
Die Frage nach der Zahnseide wird zum Verhör
„Benutzen Sie Zahnseide?“ – „Mhm.“
Es gibt Fragen, bei denen man sofort weiß, dass man möglicherweise etwas genauer antworten sollte. „Putzen Sie zweimal täglich?“ gehört dazu. „Reinigen Sie auch die Zahnzwischenräume?“ ist schon etwas schwieriger. Und spätestens bei „Jeden Tag?“ beginnt bei manchen Patientinnen und Patienten das große Nachdenken.
Dabei geht es beim Zahnarzt gar nicht darum, jemanden bei schlechten Gewohnheiten zu erwischen. Ehrliche Antworten helfen vielmehr dabei, bestimmte Probleme besser einzuordnen. Wenn das Zahnfleisch regelmäßig blutet oder sich Beläge zwischen den Zähnen sammeln, ist es wichtig zu wissen, wie die tägliche Pflege tatsächlich aussieht. Ein bisschen Ehrlichkeit spart hier meistens mehr Zeit als eine besonders überzeugende Antwort.
Die Zunge entwickelt plötzlich ein Eigenleben
Wohin damit?
Im Alltag funktioniert die Zunge völlig automatisch. Sie hilft beim Sprechen, Schlucken und Essen, ohne dass man darüber nachdenken muss. Beim Zahnarzt ändert sich das schlagartig. Sobald Instrumente im Mund sind, scheint die Zunge plötzlich überall dort sein zu wollen, wo sie gerade nicht sein soll.
„Bitte die Zunge etwas nach links.“ Klingt einfach. Bis man feststellt, dass links offenbar auch nicht richtig ist. Dann nach rechts? Nach unten? Am besten einfach verschwinden? Keine Sorge: Das Problem kennt jedes Zahnarztteam. Niemand erwartet, dass Patientinnen und Patienten während einer Behandlung plötzlich perfekte Kontrolle über jeden Muskel im Mund entwickeln.
Antworten mit vollem Mund funktionieren erstaunlich gut
Eine eigene Sprache im Behandlungszimmer
Zahnärztinnen und Zahnärzte stellen gerne Fragen, während der Mund geöffnet ist. Das hat etwas paradoxes. „Tut es hier weh?“ – „Mhm.“ „Nur beim Kauen?“ – „Aah.“ „Seit zwei Wochen?“ – „Ngng.“ Erstaunlicherweise funktioniert diese Art der Kommunikation oft erstaunlich gut.
Mit der Zeit entwickelt sich eine Mischung aus Lauten, Augenbewegungen, Handzeichen und Gesichtsausdrücken. Ein leichtes Nicken bedeutet „ja“, ein energisches Stirnrunzeln vielleicht „nein“ und eine gehobene Hand eindeutig „bitte kurz Pause“. Im Grunde entsteht eine eigene Sprache, die außerhalb einer Zahnarztpraxis wahrscheinlich niemand verstehen würde.
Bei jedem Geräusch wird das Schlimmste vermutet
Der Mund ist ein hervorragender Resonanzkörper
Viele Instrumente beim Zahnarzt klingen deutlich dramatischer, als sie tatsächlich sind. Ein kleines Surren wird im eigenen Kopf schnell zur Großbaustelle, ein Sauger klingt plötzlich wie ein Staubsauger auf höchster Stufe und das bekannte Geräusch eines Bohrers ist ohnehin emotional deutlich größer als das Gerät selbst.
Der Grund dafür ist unter anderem, dass Geräusche und Vibrationen im Mund sehr direkt wahrgenommen werden. Dadurch wirken selbst kleine Bewegungen ziemlich intensiv. Wer unsicher ist, darf übrigens jederzeit fragen, was gerade passiert. Oft reicht eine kurze Erklärung schon aus, damit aus einem mysteriösen Geräusch ein ganz normaler Behandlungsschritt wird.
Manche schließen einfach die Augen
Kurzurlaub im Behandlungsstuhl
Während der Behandlung gibt es zwei Sorten Menschen. Die einen beobachten alles ganz genau. Sie schauen zur Lampe, verfolgen jede Bewegung und wollen möglichst viel mitbekommen. Die anderen schließen direkt die Augen und versuchen, gedanklich irgendwo anders zu sein.
Diese Methode ist gar nicht so schlecht. Wer angespannt ist, kann sich bewusst auf ruhiges Atmen konzentrieren oder sich gedanklich ablenken. Vielleicht denkt man an Urlaub, Essen oder den Einkauf nach dem Termin. Hauptsache, der Kopf beschäftigt sich nicht ausschließlich mit jedem einzelnen Geräusch.
Nach der Behandlung wird sofort mit der Zunge kontrolliert
Das eingebaute Qualitätsmanagement
Kaum ist eine neue Füllung gelegt oder eine Stelle geglättet, beginnt automatisch der Zungentest. Einmal darüberfahren, dann noch einmal und zur Sicherheit noch ein drittes Mal. Selbst kleinste Veränderungen fühlen sich dabei plötzlich riesig an.
Das liegt daran, dass die Zunge extrem empfindlich ist. Ein minimaler Unterschied kann sich deshalb zunächst anfühlen, als hätte sich die gesamte Zahnlandschaft verändert. Meist gewöhnt man sich sehr schnell daran. Falls sich der Biss tatsächlich dauerhaft falsch oder unangenehm anfühlt, sollte man natürlich noch einmal in der Praxis nachfragen.
Eine Betäubung wird sofort getestet
Spüre ich wirklich nichts?
Nach einer örtlichen Betäubung fühlt sich die Lippe plötzlich doppelt so groß an, obwohl sie völlig normal aussieht. Die Wange gehört gefühlt nicht mehr zum eigenen Gesicht und manchmal wirkt sogar das Sprechen etwas ungewohnt. Was macht man also als Erstes? Natürlich vorsichtig dagegen tippen.
Dann noch einmal. Und noch einmal. Nur um sicherzugehen. Solange die Betäubung wirkt, sollte man allerdings beim Essen vorsichtig sein. Wer Lippe oder Wange nicht richtig spürt, kann sich versehentlich darauf beißen. Der wissenschaftliche Selbsttest darf deshalb gerne beim vorsichtigen Antippen bleiben.
Beim Röntgen werden plötzlich alle zu Statuen
Nicht atmen ist trotzdem nicht notwendig
Sobald das Röntgengerät positioniert ist, stehen oder sitzen viele Menschen völlig regungslos da. Manche halten sogar kurz die Luft an, als würde jede noch so kleine Bewegung das gesamte Bild unbrauchbar machen.
Natürlich sollte man während der Aufnahme ruhig bleiben. Atmen darf man allerdings weiterhin. Der Moment dauert nur kurz und niemand erwartet, dass man für ein paar Sekunden sämtliche Körperfunktionen herunterfährt.
Nach dem Termin kommt der klassische Gedanke
„War eigentlich gar nicht schlimm“
Die Behandlung ist vorbei, man steht wieder auf und plötzlich wirkt alles deutlich weniger dramatisch. Häufig fällt dann genau der Satz, den viele Menschen beim Zahnarzt schon gedacht haben: „Eigentlich war es gar nicht schlimm.“
Das Interessante ist nur, dass sich diese Erkenntnis bis zum nächsten Termin erstaunlich schlecht speichert. Sobald sechs Monate später die Terminerinnerung kommt, beginnt das Kopfkino bei manchen Menschen wieder von vorne.
Beim Zahnarzt musst du keinen perfekten Patienten spielen
Zahnarzttermine sind für Patientinnen und Patienten keine Alltagssituation. Deshalb ist es völlig normal, nervös zu sein, viele Fragen zu haben oder sich ein bisschen merkwürdig zu verhalten. Für das Praxisteam gehören all diese Situationen dagegen zum täglichen Geschäft. Die wandernde Zunge, das angestrengte Nicken und die besonders intensive Zahnpflege kurz vor dem Termin sind dort längst bekannte Klassiker.
Deshalb gilt: Lieber ehrlich sein, nachfragen und sich bemerkbar machen, wenn etwas unangenehm ist. Niemand erwartet Perfektion. Ein Zahnarztbesuch funktioniert am besten, wenn man nicht versucht, besonders souverän zu wirken, sondern einfach sagt, wie es einem geht. Alles andere hat das Team höchstwahrscheinlich schon hundertmal gesehen.

